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Dieses Thema hat 5 Antworten
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Beiträge: 83

31.05.2010 18:57
„Operative schwarze Null“ = Gewinnzone? Zitat · antworten

Für 2009 vermeldetet der Allgäu-Airport das Erreichen der „schwarzen Null“ im operativen Bereich für 2009. Mehr noch: Mit einem Überschuss von 35000 Euro sei dieses Ziel „klar übertroffen“ worden. Von der Presse wurde das als „Sprung in die Gewinnzone“ (MZ vom 22.5.10) bejubelt. Wir sehen uns zum wiederholten mal veranlasst darauf hinzuweisen, das die „operative schwarze Null“ nichts weiter bedeutet als das gerade die Kosten des laufenden Betriebs gedeckt sind. Alles andere - wie Investitionen oder die Rückzahlung von Krediten - ist in einem solchen Ergebnis nicht erfasst. Insofern ist es schlicht falsch, von der „Gewinnzone“ zu sprechen. Daran ändern auch die 35000 Euro nichts, nicht nur weil die mit 0,43% des Jahresumsatzes gerade mal die Portokasse auffüllen.
Die Betrachtung der Rahmenbedingungen offenbart mittelfristig gewisse Unsicherheiten für die wirtschaftlichen Aussichten am Flughafen Memmingen. Während des Sommerflugplans 2010 entfallen rund 70% aller Linienflüge auf die irische Billiglinie Ryanair, was man nur als Abhängigkeit des Airports von dieser Airline bezeichnen kann. Beste Aussichten für Ryanair, ihre Forderungen, die sich meist auf Gebührensenkungen beziehen, in der bekannt rigiden Art spätestens bei den nächsten Vertragsverhandlungen durchzusetzen. Jeder kann sich vorstellen, was ein Abzug der Iren bedeuten würde.

paule ( Gast )
Beiträge:

07.06.2010 18:42
#2 RE: „Operative schwarze Null“ = Gewinnzone? Zitat · antworten

Frau G. S.-G. fordert heute in einem Beitrag in der Allgäuer Zeitung zu diesem Thema zum "fremdschämen" auf. Mir erschließt sich leider nicht, warum ich mich für den Allgäu Airport schämen soll. Dafür, daß dort in kurzer Zeit hunderte von sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze direkt am und um den Flughafen geschaffen wurde? Dafür, daß er innerhalb von 2 Jahren, zumindest im operativen Geschäft, bereits schwarze Zahlen schreibt? Oder dafür, daß eine brachliegende Bundesliegenschaft wieder zum Leben erweckt wurde?
Fremdschämen kann ich mich eher bezüglich den ständigen Unkenrufen und der Schlechtmacherei durch den Verein, der die Frau G. S.-G. vorsteht. Offensichtlich kann und will sie nicht sehen, daß so gut wie alle ihre Befürchtungen und Vorhersagen nicht eingetroffen sind, im Gegenteil.
Und daß ein Flughafen einen Großteil seiner Einnahmen aus der Bewirtschaftung von Parkfächen erwirtschaftet, sollte nicht weiter verwundern. Dies ist an allen Flughäfen so und nur, wer einen Bedarf (an Parkflächen) schafft, kann davon auch den Nutzen ziehen. Daß der Friedrichshafener Flughafen so deutliche Negativzahlen schreibt, liegt mit Sicherheit nicht nur am Allgäu Airport. Andere Flughäfen können trotz Konkurenzen auch steigende Fluggastzahlen vermelden. Eventuell liegt dies auch am Management dieses Airports, daß er so am Bedarf vorbei gewirtschaftet hat.

Tim ( Gast )
Beiträge:

07.06.2010 23:00
#3 RE: „Operative schwarze Null“ = Gewinnzone? Zitat · antworten

ich bin mir auch sicher, dass das negative Ergebnis in FDH nichts mit dem Allgäu Airport zu Tun hat. Man braucht ja nur die Flugziele betrachten, und da fällt auf, das FDH mit seinen stark frequentierten Innerdeutschen Zielen mehr auf Geschäftsreisende zählt. Anders bei FMM: Dort sind viele Ziele für Urlaub oder Städtereisen.

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Mitglied

Beiträge: 138

08.06.2010 22:33
#4 RE: „Operative schwarze Null“ = Gewinnzone? Zitat · antworten

Du liest zu oberflächlich, Paule:
1. In der Pressemitteilung der BI ging es um die Darstellung des geringfügien Überschusses im operativen Bereich als "Gewinn". Und das ist wirklich etwas peinlich. Nicht weil es nicht viel ist, sondern weil es sich eben nur um den operativen Bereich handelt. Auch hier im Forum ist mehrfach beschrieben, was das bedeutet. Mit einem wirtschaftlichen Betrieb hat das nicht annähernd was zu tun. Ein Umsatz von 8.1 Mio. bei 810000 Passagieren ergibt 10 Euro pro Pax - noch ein weiter Weg bis zur Wirtschaftlichkeit. Ich bin ja mal gespannt, wie Ryanair auf die neue Flugabgabe (wenn sie denn kommt) reagiert. Wenn ich mir überlege, daß sie in Hahn bei der angekündigten Terminalbenutzungsgebühr in Höhe von 2,50 Euro ("Hahntaler") mit dem Abzug der Hälfte der Maschinen gedroht hat, kann das noch interessant werden. Zur Erinnerung: FMM ist von Ryan abhängig.
2. Es gibt Arbeitsplätze am und um den Flughafen, das ist richtig. Um aber festzustellen, wie viele davon effektiv geschaffen wurden und dem Airport zuzuschreiben sind, müßte man viele Fragen stellen. Ein großer Teil der Arbeitsplätze wurde verlagert und/oder hat mit dem Flughafen an sich nichts zu tun, wie z.B. die neue Halle von Magnet Schulz.
3. Du solltest Dich genauer über die "Befürchtungen und Vorhersagen" informieren. Was die Vorhersagen angeht, wurde z.B. die heutige Verlustsituation des Flughafens vor 3 Jahren recht genau prognostiziert. Und zu den "Befürchtungen", "Unkenrufen" und was Du sonst noch so nennst: Der Airport wird auch in absehbarer Zeit nicht wirtschaftlich betrieben werden können, die Lebensqualität der Anwohner ist eingeschränkt, durch Dumpingpreise künstlich generierte Flüge schädigen zusätzlich die Umwelt - was davon soll nicht eingetroffen sein? Nicht erwartet wurde freilich die Entwicklung der Passagierzahlen. Aber da sieht sich der Verein in Gesellschaft mit den Flughafenbetreibern. Die hatten 350000 paxe für 2015 vorausgesagt. Und daß viele Paasagiere - wie man sieht - nichts mit einem wirtschaftlichen Betrieb zu tun haben, sollte mittlerweile auch der Letzte begriffen haben.
4. Es ist zu einfach, ein negatives Ergebnis nur als "am Bedarf vorbei gewirtschaftet" hinzustellen, dazu gibt es zu viele Faktoren. Das tatsächliche Ergebnis von FMM ist mindestens genauso mies, oder das von FDH könnte man ganz legal schönrechnen. Da gibt es viele Möglichkeiten (z.B. EBITDA). Sicher ist am Verlust in FDH nicht nur FMM schuld. Aber wenn in geringer Entfernung gleich mehrere billige Fluglinien eröffnet werden, zieht das mit Sicherheit potentielle Passagiere ab. Und unter solchen Bedingungen wird es bei etwa vergleichbaren Entfernungen immer einen Anstieg der Passagierzahlen beim einen und einen mehr oder weniger starken Rückgang beim anderen Flughafen geben. Wenn sich das Angebot eingependelt hat, kann es trotz Konkurrenz einen Anstieg bei beiden Airports geben. Wobei es wirklich deutliche Steigerungen wiederum nur bei neuen, zusätzlichen und möglichst billigen Linien gibt.

Naja ( Gast )
Beiträge:

09.06.2010 19:22
#5 RE: „Operative schwarze Null“ = Gewinnzone? Zitat · antworten

Es ist fatal wie manche lokalen Politiker leichtgläubig an wirtschaftliche Erfolgsrechnungen (Fantasiedarstellungen) glauben und
Gelder für Flughäfen die niemand braucht (außer Ryanair) zur Verfügung stellen.

Ein Musterbeispiel was auch in Memmingen abzusehen ist. Lübeck Flughafen im Minus (Investor steigt aus).
Aktuell airport Eigner Weeze operative "Schwarze Null" kann aber die kredite über rund 26 Mio Euro nicht wie vereinbart zurückzahlen.
Man bittet um Stundung ansonsten droht Pleite! Wenigstens will man versuchen Zinsen ab Januar zu bezahlen.

Auch hier hatten die Kritiker mal wieder Recht..... aber der Wahnsinn hat kein Ende.
Fluggastzahlen sagen über wirtschaftliche Situation überhaupt nichts aus !!!!! Sie dienen nur zur Ablenkung für die APA.

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Thema: Airport Weeze kann Schulden nicht zahlen
Eigentlich sollte Flughafeninvestor Hermann Buurman das Darlehen der Stadt, in Höhe von 26,5 Millionen Euro, dieses Jahr zurückzahlen. Nun informierte er die Stadt darüber, dass dies nicht möglich sei und bat um Stundung bis 2016.

Weeze. Die Rückzahlung der 26-Millionen-Euro-Kredite für den Flughafen Niederrhein an den Kreis Kleve bleibt weiter offen. Flughafeninvestor Herman Buurman hat offensichtlich verlauten lassen, dass er zur Zahlung nicht in der Lage ist. Kritiker sehen sich nun bestätigt.

Kritiker werden eine Flasche Schampus darauf verwettet haben, dass es nicht klappt - mit der Rückzahlung der 26-Millionen-Euro-Kredite an den Kreis Kleve. Optimisten werden dagegen gehalten haben. Die Kritiker haben Recht behalten: Flughafeninvestor Herman Buurman, dem 99 Prozent der Anteile gehören, hat offensichtlich letzte Woche verlauten lassen, dass er genau dazu nicht in der Lage ist (NRZ berichtete).

Der Ältestenrat - sprich die Spitzen der Kreistagsfraktionen - wurden darüber in einer eilig anberaumten Sitzung informiert. Sie werden darüber jetzt mit ihren Fraktionen beraten.

Mögliche Fristverlängerung bis 2016
Fakt ist: Die Situation ist fatal. Es kann nur spekuliert werden. Möglich, dass eine schwarz-gelbe Mehrheit aus CDU und FDP der Fristverlängerung bis 2016 zustimmt. Ob das bei SPD und Grünen auf Zustimmung stößt, ist dagegen mehr als fraglich. Die SPD hatte bekanntlich mehr als einmal gefordert, der Kreis solle mindest 51 Prozent der Anteile am Flughafen übernehmen. Das ist bis dato gescheitert.

Landrat Wolfgang Spreen hatte in den letzten Monaten auf entsprechende Nachfragen immer wieder betont, er gehe davon aus, dass der Investor seinen Verpflichtungen nachkommt. Und selbst Eberhard Kanski vom Bund der Steuerzahler machte im März 2009 eine Kehrtwendung. Dass der Flughafen die Kredite in Höhe von 26 Millionen bis Ende 2010 mit Zinsen zurückzahlen könne, habe er stets bezweifelt. Inzwischen habe er seine Meinung jedoch geändert. Weil der Airport eine positive Entwicklung verzeichnen könne. „Wenn der Flughafen weiter im Aufwind bleibt, ist eine Zeit ohne finanzielles Engagement der Steuerzahler denkbar“, sagte er seinerzeit der NRZ.

Umsatz und Fluggastzahlen seien gestiegen
Umsatz und Fluggastzahlen seien drastisch gestiegen, der Airport Weeze verzeichne seit 2008 einen operativen Gewinn, ist selbst bei Wikipedia zu lesen: „Die zwischenzeitlich erwogene Teil-Übernahme durch den Kreis ist seither nicht mehr notwendig und wurde daher auch nicht weiter verfolgt“, heißt es dort weiter.

Fluggastzahlen und auf dem Airport stationierte Maschinen sprechen zwar für eine steigende Nachfrage - über die wirtschaftliche Situation sagen sie dagegen wenig bis gar nichts aus.

Was 2009 gelang, scheint nicht mehr möglich zu sein: Eine Privatbank finanzierte dem Flughafen einen Kredit in Höhe von 5,4 Millionen Euro für den notwendigen Ausbau von Parkplätzen und Terminal. Dass der Investor keine weiteren Banken findet, die die Kredite des Kreises finanzieren wollen, spricht für sich.


(Nachzulesen unter http://www.derwesten.de/staedte/kreis-kl...-id3073264.html )
Editiert von Forumbetreuer

Silenzio ( Gast )
Beiträge:

14.08.2010 23:29
#6 RE: „Operative schwarze Null“ = Gewinnzone? Zitat · antworten

Die Bezeichnung „Operative schwarze Null“ gibt es in einer Bilanz nicht und nur die Daten in der Bilanz sind für die Beurteilung der wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens ausschlaggebend. Entweder hat jemand, der bei einer operativen schwarzen Null von Gewinn spricht, keine Ahnung von Betriebswirtschaft oder die Bevölkerung wird bewusst in die Irre geführt. Besonders erschreckend sind solche Aussagen deshalb von Geschäftsführern oder Wirtschaftsredakteuren.

Laut öffentlich zugänglichen Informationen hat der Allgäu-Airport 10 Mio. Euro Schulden. Die Kreditkonditionen sind zwar nicht öffentlich bekannt, aber an einem Beispiel will ich hier mal die Dimensionen verdeutlichen:

Kredit über 10 Mio. Euro, 10 Jahre Laufzeit, 4% Zinsen
Jährliche Tilgung plus Zinsen: 1,23 Mio. Euro

Auch wenn die Kreditkonditionen wesentlich besser sind, wie in meinem Beispiel, lassen sich die Schulden wohl kaum mit lächerlichen 35000 Euro begleichen.

Es gibt aus meiner Sicht nur zwei Möglichkeiten: Entweder der Flugplatz Memmingen macht in absehbarer Zeit Pleite oder es fließen weiter große Subventionen aus Steuergeldern, obwohl nur eine einmalige Anschubfinanzierung versprochen wurde.

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