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Dieses Thema hat 3 Antworten
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Beiträge: 82

28.07.2012 21:16
"Allgäu Airport wirbt weiter um politische Unterstützung" Zitat · antworten

Der "Memminger Kurier" berichtete in seiner Ausgabe vom 25.7. über ein Treffen zwischen Vertretern des Allgäu Airport und Politikern aus Bund, Land und Kommune. Läßt man die übliche Selbstbeweihräucherung der Flughafenverantwortlichen und die Lobhudelei von Seiten der Politik beiseite, gewinnt man aufschlussreiche Erkenntnisse.

So ist erstmals schwarz auf weiß belegt, daß die Kosten für die geplante Erweiterung bei weitem nicht vom Flughafen allein bewältigt werden können bzw. sollen, sondern daß man vielmehr wieder einmal auf Steuermittel hofft. Damit bestätigt sich die Vermutung der "Bürger gegen Fluglärm", daß die geplante Investitionssumme von 15 Millionen Euro viel zu niedrig angesetzt ist. So wird Unterstützung bei der Verbreiterung der Start/Landebahn - ein zentrales Element im Planfeststellungsverfahren - gefordert, auch ließe man sich gern einen Autobahnanschluß finanzieren.
Nach wie vor werden auf Seiten der Politik gewisse Tatsachen ignoriert. Staatssekretär und MdB Hartmut Koschyk sieht im Allgäu Airport eine "einzigartige Erfolgsgeschichte". Schon die Tatsache dieses Treffens läßt das zweifelhaft erscheinen, außerdem scheint Herrn Koschyk z.B. folgendes nicht bekannt zu sein:
- FMM ist auf Gedeih und Verderb dem irischen Billigflieger Ryanair ausgeliefert.
- Die finanzielle Bilanz ist verheerend. GF Schmid verspach ehemals schwarze Zahlen mit 360000, jetzt mit 1 Mio. Passagieren. Wer's glaubt: 2010 lag das Minus mit 910000 Passagieren bei 610000 Euro.
- Für die Wiederaufnahme der Verbindungen nach Berlin und Hamburg fand sich keine Airline, so daß hier eine "hausgemachte" Lösung herhalten muß, für die naturgemäß deutlich höhere Preise verlangt werden müssen als seinerzeit bei TUIfly bzw. Air Berlin. Am 24.7.12 und damit 6 Wochen nach Aufnahme der genannten Verbindungen erschien in der MZ eine halbseitige (!) Werbeanzeige für diese, und die ersten der ach so wichtigen Flüge nach Berlin wurden bereits gecancelt. Der Allgäu Airport wird nur gut angenommen, solange man billig fliegen kann. Der vermeintliche Erfolg des Memminger Flughafens beruht ausschließlich auf den Dumpingpreisen von Ryanair.

Die Äußerung Koschyks "Wir werden alles tun, um Ihnen Rückenwind von Bund und Land zu geben.“ sollte nicht nur angesichts der bevorstehenden Entscheidung im Planfeststellungsverfahren als problematisch angesehen werden. Sie widerspricht auch völlig den Klimaschutzzielen der Bundes- und Landesregierung.

Initiator des Treffens war MdB Stephan Stracke. Ob dieses Engagement aus eigenem Antrieb erfolgte oder doch eher nach einer Bitte aus der Chefetage des Flughafens, wurde nicht erwähnt. Wir halten Letzteres für sehr viel wahrscheinlicher. "Allgäu Airport wirbt um politische Unterstützung"? Besser wäre: "Allgäu Airport bettelt um finanzielle Unterstützung".

Dagegen ( Gast )
Beiträge:

02.08.2012 16:45
#2 RE: "Allgäu Airport wirbt weiter um politische Unterstützung" Zitat · antworten

Auch in der Memminger Zeitung von heute wird der Airport unterstützt. Nämlich am Ende des Berichtes über die Reiterspiele. Das hätte es wahrlich nicht gebraucht.

Silenzio Offline

Mitglied

Beiträge: 210

03.08.2012 12:55
#3 RE: "Allgäu Airport wirbt weiter um politische Unterstützung" Zitat · antworten

Es sehr erstaunlich, welch kurzes Gedächtnis die Flughafengesellschafter und der Geschäftsführer zeigen, indem sie jetzt Politiker um umfangreiche finanzielle Unterstützung angehen.

In einem Flugblatt der Air + Park GmbH & Co. KG, das im Jahr 2005 kurz vor den Bürgerentscheiden in Memmingen und im Unterallgäu verteilt wurde, hieß es: „Die APA kann … ein fast fertiges Objekt weiterbetreiben und deshalb bei geringem Betrieb wirtschaftlich sein.“. Es wurde also der Eindruck erweckt, dass ein komplett betriebsbereiter Flugplatz vorliegt, der sehr geringe Investitionen erfordert. Dieses Argument hat damals leider viele Menschen überzeugt, den Flugplatz zu unterstützen, weil es schade wäre die angeblich komplett vorhanden Infrastruktur nicht zu nutzen.

Jetzt stellt sich heraus, dass laut Planfeststellungsverfahren, ganz massive Ausbaumaßnahmen erforderlich sind: Komplette Sanierung der Startbahn incl. Verlängerung und Verbreiterung, neue Rollwegen, neue Flugzeugstellplätze, neue Befeuerung, neues Instrumentenlandesystem, neue Hallen, Vergrößerung des Terminals, mehr Parkplätze, usw. Das ist fast ein kompletter Neubau und führt die Argumentation von damals ad absurdum. So wie es aussieht sind die Gesellschafter nicht in der Lage die Ausbaumaßnahmen selbst zu finanzieren. An anderen Flugplätzen kosteten vergleichbare Maßnahmen dreistellige Millionenbeträge.



Im Übrigen stand im Flugblatt auch noch, dass ein Zivilflugplatz die Chance auf eine Fachhochschule erhöht. Inzwischen wissen wir, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Es wird argumentiert, dass Kaufbeuren nach Schließung des Bundeswehrstandortes als Ausgleich eine Fachhochschule bekommen soll, Memmingen bekommt keine Fachhochschule, da als Ausgleich für die Schließung des Fliegerhorstes bereits der Zivilflugplatz gefördert wurde.

Auch noch lustig, wenn die Realität nicht so traurig wäre, der Satz auf der Vorderseite des Flugblattes: „Wir sehen eine echte Chance für einen verträglichen und wirtschaftlichen Betrieb!“ Heute wissen wir mehr: Fast eine Million Schnäppchenjäger fliegen jedes Jahr durch die Gegend, die alles andere als verträglich für unsere Ruhe und die Umwelt sind, zudem gibt es noch rote Zahlen in der Bilanz des Allgäu Airports.

Spiderman Offline

Mitglied

Beiträge: 150

06.08.2012 19:39
#4 RE: "Allgäu Airport wirbt weiter um politische Unterstützung" Zitat · antworten

Zitat von Gast im Beitrag #2
Nämlich am Ende des Berichtes über die Reiterspiele.


Wahrlich ein grandioser Gedankensprung. Bedenklicher finde ich aber, dass die MZ die Pressemitteilung der BI zum obenstehenden Artikel auf eine nichtssagende und sinnverzerrende Grösse zusammengestrichen hat. Darin ist sie mittlerweile geübt.

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